Wenn nicht jetzt wann dann ?

Meine Motivation, meine Geschichte und mein Weg von der Couch direkt ins Geschehen zurück soll Euch nicht verborgen bleiben. 

„No matter how slow you go, you are still lapping everybody on the couch!“ wird doch tatsächlich meine Motivations Grundlage. Mit „auf der Couch liegen“ hab ich mich nämlich sehr sehr lange selbst übertroffen.

Mein Tag Null wurde immer wieder freudig und motiviert verkündet, um dann wieder erfolgreich verschoben zu werden. Und somit sank auch die Motivation mit jedem Gramm mehr auf der Waage, bis man die Waage eines Tages einfach nur weit weg versteckt. 

Auf dem Weg zur Einsicht, dass es schliesslich mein Körper ist, den ich vernachlässige und schädige, gab es viele emotionale Hürden, die mich immer wieder zurück geworfen haben. Es war ein ständiges Auf und Ab, wobei das „Ab auf die Couch“ anfangs noch schwungvoll zelebriert wurde. Meine Völlerei begann schleichend mit der Geburt meiner Tochter vor 4 Jahren und der langsamen Vernachlässigung meines Körpers. Schwangerschaftsschlemmen ist doch was Feines und kennt auch fast jeder Papa. So nahm auch ich diese Zeit mit vollem Elan mit. Ach die paar Kilo werd ich schon wieder los – eine Einbildung, mit der man sich einige Zeit motivieren kann, aber dabei blieb es dann auch sehr lange Zeit. 

Tennis spielen war vor 3 bis 4 Jahren noch das Einzige, womit ich mich ab und an mal sportlich betätigte, bis dann auch hier meine Leistungskurve und die Siege durch mehr Fülle abgelöst und ausgetauscht wurden. Somit legte ich irgendwann das letzte bisschen Sport ad Acta. Ach, so ein bißchen Tennis-Pause kann man sich mal gönnen, hol ich mit der nächsten Saison alles wieder auf – in Parolen grölen war ich echt gut! 

Den völligen Gnadenstoß hat mir dann der Tod meines Opas und meines Vaters vor 2 Jahren gebracht. Vor allem der gesundheitliche Leidensweg meines Vater´s setzte mir schwer zu, es ging immer auf und ab – und dann am Ende hat ihn der Krebs doch gefressen. Fressen ist hier das richtige Stichwort. Der Kummer zerfrass mich und ich hielt mit Fress-Attacken gegen. Das Glas war an schlechten Tagen halb leer und an guten Tagen dann wieder halb voll – und immer war es gefüllt mit Saft und Cola. Schmeckt auch viel besser und ich will mich einfach nur wieder besser fühlen. Das Loch, welches der Verlust meines Vaters und Opas in mir aufriss, wurde mit Schokolade und Keksen gefüllt. Das war zeitweise der einzige Kick, der mich wenigstens körperlich besser fühlen lies. Die zuckerhaltigen Energieschübe waren leider immer nur von kurzer Dauer und mussten wieder aufgefüllt werden. 

Auch der Sturz und die Ablenkung in die Arbeit war eigentlich nur ein Absturz, denn der zunehmende Stress und endlose Umstrukturierungen wurden mit Kaffee und 5 Stücken Zucker und fetten, schnellen Mittagessen kompensiert. Einen Fahrtweg von 120 Kilometern fährt man auch nicht mit dem Fahrrad, sondern nimmt das Auto. Nach dem Job kam dann noch meine Leidenschaftmeine Agentur, meine Labels, also meine Arbeit vor dem PC und dem Telefon. Geistige Arbeit lässt erstmal die Trauer und den Frust verdrängen, um die Bewegung kümmere ich mich, wenn ich mal wieder Luft und Zeit finde. Ständiges Sitzen vor dem PC und der ganze Süßkram in greifbarer Nähe. Arbeit ist Ablenkung, dennoch merkte ich zunehmend, dass es mir körperlich immer schlechter ging. 

Aber ich wollte zu diesem Zeitpunkt nicht wahr haben, dass ich mich vielleicht mal körperlich betätigen muss, dass ich meinen ganzen Lebenswandel ändern muss! 

Ich muss mich meiner Situation stellen und was ändern! Ok, später vielleicht! Ich ertränkte meinen Schmerz zwar nicht in Alkohol, aber zusätzlich steigerte ich meinen Zigarettenkonsum auf mehr als eine Schachtel pro Tag. Ich wusste, ich muss eigentlich an mich und meine Gesundheit denken, aber das ohnehin schwache Fleisch wurde sozusagen immer schwächer und motivationsloser

Ich war irgendwann an einem Punkt, an dem ich mich ertappte, an den Wochenenden das Mittagsschläfchen der Bewegung vorzuziehen. Irgendwann passen dann auch die Klamotten nicht mehr und irgendwann findet man leider auch keine coolen Klamotten mehr in Größe XXL und größer. Enden denn all die coolen Klamotten bei Größe L? Sofern Du vom üblichen Maß abweichst, musst Du nehmen, was Du kriegen kannst, um überhaupt was zu tragen. Wer schön sein will muss leiden und ich litt ganz schön, denn Styling war mir immer sehr sehr wichtig. Ich hab also nix anzuziehen, also geh ich auch nicht mehr oft weg. 

Meine gesundheitlichen Einschränkungen wurden immer akuter und man stellte bei mir schlechte Blutwerte fest. Auch dann wollte ich erstmal nicht wahrhaben, dass Nikotin, Schokolade, Fett, mangelnde Bewegung, 2 Jobs und die Fahrerei zuviel Stress für meinen Körper sind. Und siehe da, meine Blutwerte waren so schlecht, dass man mir Organschädigungen prognostizierte, wenn ich nicht sofort mit dem Hier und Jetzt aufhöre und wieder anfange zu leben. Das war vielleicht eine Hiobsbotschaft – ich soll ernsthaft krank sein und vielleicht auch Schlimmeres erleiden? Darauf brauchte ich erstmal Nervennahrung, wie zum Beispiel Pizza mit doppelt Käserand

Den ersten Schock überwunden, muss man sich dann noch von der Familie belehren lassen. Du pumpst keine Gewichte, aber Du pumpst wie ein Maikäfer, wenn Du einfach nur mal so ein bisschen Schreibtisch umstellen sollst, wie meine Freundin so sagte. Mit 30 Kilo zu viel Eigengewicht, welches ich mittlerweile vorsorglich angesammelt habe, kann so ein Schreibtisch schon mal so viel wie ein Stahlbetonklotz wiegen. Am Besten, erstmal auf Durchzug schalten und nicht reagieren, denn ich will aus meiner prallen Komfortzone eigentlich nicht raus. 

Ganz arg wurde es dann, als meine Tochter vor mir stand und mir täglich erklärte, dass ich mit dem Rauchen aufhören soll, weil „das ist Gift, Papa“. Ich wußte, ich muss was ändern und aus dem „Muss“ muss doch endlich mal ein „Kann“ werden. Das war mein halber Tag Null: die Zigaretten wurden von einem auf den anderen Tag gestrichen und ich litt erstmal wie ein Hund! Nüchtern betrachtet war das natürlich nur mein eigener Verstand, der erstmal eine rauchen wollte. Aber ich zog dennoch etwas durch, von dem ich nie für möglich gehalten hätte, dass zu schaffen. Bis dahin hätte ich nie gedacht, das ich auch „kann“ und das ich überhaupt nur einen einzigen Tag ohne Rauchen schaffe. Und nun sind es mittlerweile schon 168 rauchfreie Tage. Die fehlenden Zigaretten wurden natürlich mit Erdnüssen und Pizza ersetzt und ich nutzte das Schlupfloch „ich höre grad mit dem Rauchen auf“ als willkommene Ausrede zu weiterer Schlemmerei. Meine Gewichtszunahme fand nun eine entschuldbare Ausrede, denn es ist ja normal, dass man nach dem Rauchen automatisch zunimmt. 

Meine Blutwerte wurden natürlich nicht besser, wie auch? Ich hatte so gehofft, dass ich durch den Rauchstop wieder bessere Werte bekomme. Aber die Zigaretten waren ja nur ein Teil des Puzzles. Eine Ausrede jagte die nächste, das kommt vom Rauchen, Diäten sind nicht wirkungsvoll, Sport kann ich grad nicht weil mein Körper das nicht durchhält und meine Knie so wehtun. Vor allem mein Rücken tut so weh, daher kann ich nicht Fahrrad fahren. Ich hab nix zum Anziehen, in meiner Größe gibt es keine Sportklamotten. Und dann natürlich wieder die Familie. Wer mit dem Rauchen aufhören kann, hat auch das Durchhaltevermögen für Sport. 

Richtig Unterstützung bekam ich dann schlussendlich von meiner Tochter. Die hat alles auf den Punkt gebracht und endlich ein Machtwort gesprochen: Papa, Dein Bauch ist aber jetzt ganz schön groß. Und wollen wir mal Tennis spielen oder Laufrad fahren? Und ich kauf ihr auch noch nen Tennisschläger. Klar, will sie mit mir spielen. Die viel schlimmere Frage die ich dann stellte,war, was passiert eigentlich, wenn Sie mir beim Laufrad fahren auf der Strasse davon fährt und ich nicht hinterher komme? Das Kopfkino ging los. 

Der finale Tag Null bahnte sich an. Entweder ich bleib eine „Null“ oder ich fange endlich an, meinem Körper wieder was Gutes zu tun. Ich wußte, es muss entweder sofort passieren oder es passiert lange Zeit garnichts. Hop oder Top! Und so machte es Klick und ich fuhr einfach in ein Fitnessstudio. Ich nahm sogar gleich die Sporttasche mit. Sollte ich wirklich gleich heut mit dem Sport anfangen? Nicht erstmal nur das Studio angucken? Vielleicht finde ich ja irgend eine Ausrede, wie sonst auch immer, wenn ich mal wieder einen sportlich-aktiven Geistesblitz hatte? 

Nix da, ich ging da rein, fragte nach einem Probetraining und legte los. Naja ich schlich erstmal auf dem Laufband voran. Und wenn schon Tag Null, dann fangen wir komplett bei Null an. Der intensivste Sport nutzt nix mit vollkommener Schlemmerei. Ich fuhr nach dem Probetraining direkt nach Hause und entsorgte sämtliche Schokolade, Kekse und sonstige gefährliche Genussmittel. Ich muss sagen, so schlimm ist das garnicht. Allein nur die Energie, die man ohne Schokolade und Zucker hat und vor allem noch langhaltig abspeichert. 

Und immerhin besser, als all die anderen, die grad auf der Couch liegen.

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2 Comments

  1. Daumen hoch! Inspiration auch für mich etwas an meinem Leben zu ändern und mehr auf meine Gesundheit zu achten. Zieh’s durch und berichte weiter von deinen Erfahrungen.

    • gregletics

      Hi alter Sandkasten Freund ;). Fang mit dem Rauchen aufhören an. Das ist mit das WICHTIGSTE, auch wenn Du es nicht gerne liest. 😉

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