Wie Ihr in meinem vorletzten Blogeintrag gelesen habt, hat mich das Thema Ernährung wieder gefesselt. Was mich an dem Seminar von Sport & Food in Person  Katrin Kleinesper so beeindruckt hat, war der Fakt, dass man das Thema Diät, Ernährungsumstellung, Abnehmen oder wie man es auch nennen mag, nicht so verbissen angehen darf.

Wir neigen dazu, unseren Körper und Geist immer nach dem „Alles oder nichts“ Prinzip zu steuern und zu manipulieren. Und genau da liegt auch die Crux. Sind wir körperlich zwar ausgeglichen, steht uns dennoch die Psyche im Weg. Einige Menschen tendieren bei Stress zum Gewichtsverlust, aber immerhin ein großer Teil tendiert doch zur Gewichtszunahme, weil man sich mit Schokolade und Zucker den fehlenden Ausgleich geben will. Das wiederum artet dann in weiterem Stress aus, denn man merkt, dass man zu- statt abnimmt. Sich aus diesem Hamsterrad zu lösen, ist schwer, zu oft nehmen wir uns einfach nicht die Zeit, uns sportlich zu aktivieren oder gesund einzukaufen und zu kochen. Dabei ist Zeit relativ, denn Sport und auch Kochen kann entspannen und ist weniger zeitaufwendig als die Zeit, die man mit dem Abnehmstress und dem „nächtlichen Fressen“ vergeudet. Ich will jetzt nicht den Psycho-Doc raushängen lassen, aber eine halbe Stunde pro Tag schafft man, sich einzurichten und einfach mal nur an sich zu denken. Das denken soll sich dabei nicht auf das Abnehmen beschränken, denn das verursacht ja den Stress.

Wir müssen flexibler werden und nicht nur Alles oder Nichts denken, denn das ist Schwarz / Weiß Denken. 

Man sollte sich auch immer kleine Mengen Süßigkeiten eingestehen und gönnen. Was bringt die totale Radikalisierung schon? Nichts! Denn das bedeutet nur erneuter Stress, weil man den Heißhunger darauf nicht kontrollieren kann. Ständig geistern Gedanken über Schokolade und beliebten Süßkram im Kopf herum. Man kann sich gar nicht von der Schokolade lösen. Genauso ist es mit Getränken. Wer vorher 3 Flaschen Cola oder Fanta getrunken hat, sollte nicht gleich komplett auf Cola verzichten und auf Wasser umstellen, vor allem nicht, wenn man das Wasser so nicht mag und nicht runter kriegt. Besser wäre, statt 3 Flaschen Cola erstmal nur noch 2 Flaschen Cola und eine Flasche Wasser zu trinken und auch nach einer gewissen Zeit dann den Bedarf immer weiter zu reduzieren. Stressfrei und ohne großen Aufwand reduziert sich der Zuckerbedarf bei den Getränken dann automatisch und wir sind nicht so gestresst als bei der Radikalkur. Ich habe zwar die Cola Radikalkur gemacht, aber ich zum Beispiel kriege Wasser pur nicht ständig runter. Ein, zwei Flaschen Wasser am Tag sind ok, aber ständig geht es nicht. Ich bin dann auf Nahrungsergänzungsmittel aus dem Sporternährungsbereich umgestiegen, doch die enthalten leider auch zu viele künstliche Zusatzstoffe, was eben auch nicht gut ist. Nun bin ich auf Wasser mit Bio Apfelsaft umgestiegen. Das Mischverhältnis ist 80 / 20, wobei der Anteil Saft natürlich nur 20 % beträgt. Und der Geschmack ist nicht pures Wasser, aber ich trinke gesund. Die normale handelsübliche Apfelschorle kann ich leider nicht empfehlen, denn auch da sind zu viele Zusatzstoffe drin und auch da ist der Saft-Anteil zu hoch und kommt bei manchen Herstellern dem Zuckergehalt einer Cola gleich. Irgendwann reduzier ich den Saftanteil auf 90/10 und vielleicht kann ich den Saft dann auch mal gänzlich wegfallen lassen. Also auch ich mache mir kleine Zwischenziele. 

Diese kleinen Zwischenziele sind überschaubar, erträglich und auch tatsächlich erreichbar. Was nutzt eine sinkende Lebensqualität, wenn man schon am Boden ist, weil die Kilos durch die Erdanziehung am Boden kleben und nicht im Nirvana verschwinden? Es ist schon Strafe genug, dass man sich fett und schlecht fühlt. Man sollte sich da zur Körperwäsche nicht noch einer radikalen Hirnwäsche unterziehen. Die gesunde Reinigung von Innen und die bewusste Ernährungsumstellung mit kleinen Goodies kommt doch viel besser beim eigenen Körper an. Auch das musste ich erst selbst erleben. 

Ich bin ein typischer Nachtschwärmer. Mich zieht es zum Kühlschranklicht wie eine Motte. Und wenn der Kühlschrank mir nicht genug Erleuchtung schenkt, dann werden es Nutella oder Kekse im Schrank schon richten. Ich weiß, dass es mein körperliches Knock Out ist und zu oft habe ich mich damit gestraft, die Süßigkeiten zu entsorgen oder mich zu zwingen, nicht aufzustehen. Ich hatte die ganze Nacht Stress und das wiederum führte zu einer Kette von schlaflosen Stunden mit schlechter Laune. Ich konnte, egal wie ich mich anstrengte, an nichts anderes, als an einen Löffel Nutella denken. Das ging abends schon los, wenn ich ans Bettgehen dachte und wußte, ich wache wieder zur gleichen Zeit auf und habe Heißhunger. Kein Zustand sag ich Euch. Die rigide Kontrolle bedeutete für mich, dass das Alles oder Nichts Prinzip meinen kompletten Schlaf und meine Gedanken leitete. Der Stress hat sich über den ganzen Tag verteilt und die nächste Nacht kommt schneller als man will. Und am Ende führte dieses Alles oder Nichts Prinzip zu erneuten Kontrollbrüchen. Ich sagte mir: „Jetzt ist es auch alles egal“ und futterte, was das Zeug hält. Diese Fressanfälle waren schlimmer und intensiver als wenn ich am Tage Schokolade genascht hätte. Am Tage wäre es vielleicht früher ne halbe Tafel gewesen, aber bei dem Kontrollbruch war es dann gleich die ganze Tafel. Außerdem hätte ich Bewegung gehabt, denn in der Nacht laufe ich ja nicht noch eine Stunde durch die Wohnung, um meine Schoko-Kalorien wieder zu verbrennen. Ich wußte, ich muss was ändern und Spielräume zur Kompensation einräumen und mir erlauben. Die Erlaubnis zum „Naschen“ verschaffte mir dann letztendlich den Sprung nach oben und raus aus der Falle. 

fullsizerender-3

Seitdem ich meine süße Ader flexibler ernähre, bin ich entspannter und schlafe manche Nacht sogar durch. Ich gönne mir am Tage einfach auch mal ein Stück Schokolade oder einen Keks. Dadurch verzichte ich nichts komplett auf Zucker und am Tage bewege ich mich zum Glück auch mehr als Nachts. Es ist kein Allerheilmittel, denn ich schlafe, wie gesagt, nicht jede Nacht durch, aber die Nächte, wo ich wegen Heißhunger aufwache, werden immer weniger. Und auch dann, wenn ich mal aufwache, reicht es mir mehr und mehr, einen Schluck zu trinken oder eben auch einen Löffel Kartoffelbrei zu essen. Kartoffelbrei ist ein sehr guter Ersatz für nächtliche Auswüchse. Gesunde Kohlenhydrate, die sättigen und keinen Haushaltszucker enthalten. Da darf man nachts auch mal ein par Löffel davon essen. Der Kartoffelbrei ist schnell zubereitet. Es muss natürlich schon selbst zubereiteter Kartoffelbrei sein, denn der künstlich hergestellte hat wieder zu viel Zusatzstoffe, die wieder Gift für den Körper sind. Außerdem schmeckt der selbst gemachte viel besser. Achtet beim Einkaufen mal darauf wieviel Zusatzstoffe manche Produkte haben.

Durch Katrin von Sport & Food wurde mir das erst wirklich bewußt. Sie gab mir die Angabe 2-3 Zusatzstoffe kann ein Produkt gerne haben mit auf den Weg, alles was mehr hat ist nicht wirklich mehr gesund für unseren Körper. 

Als ich mir diese Nascherlaubnis eingeräumt habe, habe ich ganz freiwillig den nächsten Schritt, was ich noch umstellen könnte, getan. Ich habe Euch auch berichtet, dass ich Weizenmehl komplett aus meiner Küche verbannt habe. Genauso ist es mit Weizennudeln und auch Reis. Bei mir gibt es nur noch Dinkel oder Vollkorn-Produkte. Auch das ist ein Schritt in die gesunde Richtung. Ich verzichte nicht komplett auf Kohlenhydrate, ich konsumiere lediglich gesunde Kohlenhydrate. Aber auch hier ist eben die vollständige Umstellung nicht möglich und muss es auch gar nicht. Wenn ich mal Essen gehe, setze ich mich nicht mehr dem Stress aus, die Salatkarte hoch und runter zu studieren, um dann doch mies gelaunt wie ein Kaninchen auf Salatblättern rum zu kauen. Nein, ich esse dann auch mal Weizenprodukte oder auch Kartoffeln und Pommes. Daheim esse ich dann wieder weizenfrei. Gut, ich gehe nicht so oft abends essen, aber tagsüber esse ich mein Mittag auch des öfteren auswärts. Früher habe ich mich mit selbst vorkochen gequält und gestresst. Das ist heut nicht mehr so. Sicher, es darf natürlich nicht jeden Tag Döner & Co. sein, aber auch das lasse ich mal zu. 

Momentan befinde ich mich in der Umstellung mit Weißbrot. Früher habe ich bewusst auf jedes Brot verzichtet, da Brot nicht gesund ist. Weit bin ich damit nicht gekommen, denn woher mit der Energie? Heut werde ich auf Brot nicht mehr verzichten. Aber ich esse eben weniger Brot und kein reines Weißbrot mehr. Stattdessen gibt es mal eine Laugenbrezel. Das ist auch Weißbrot, aber nicht das pure ungesunde Weiß- oder Toastbrot, wovon man einen ganzen Kasten weghaut und trotzdem nicht satt ist. nach einer Laugenbrezel bin ich einfach gesättigt und sie schmeckt. 

Aber nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wie“ ist ein wichtiger Faktor bei der Ernährung. Die Wissenschaft der Ernährung ist da zum Glück weiter fortgeschritten und haftet sich nicht mehr an alte Muster und Regeln. Früher hiess es, mindestens drei Mahlzeiten am Tag, dann waren es mindestens fünf Mahlzeiten. Ich bin froh, wenn ich zwei Mahlzeiten schaffte. Was die Unregelmäßigkeit betrifft, bin ich Weltmeister, was das Spät essen betrifft, ebenso. Morgens zu frühstücken? Das ging Anfang des Jahres Auf keinen Fall! Lange Zeit habe ich mich auch damit rumgeschlagen, auf wenigstens 4 Mahlzeiten zu kommen und wieder hat sich alles ums Essen gedreht. Ich esse schon immer spät und ich gehe nicht davon aus, dass ich das jemals abstellen kann. Ich habe es mehrfach versucht und habe mich immer wieder ertappt, beim früher Abendessen nachts wie ein Waschbär nach Nahrung zu suchen. Ich esse nun weiter später, aber eben weniger als früher. Ich schlage mir den Wanst nicht mehr zu 140% voll, sondern esse langsamer und reduziere allein mit der Geschwindigkeit auf 80%. Mein kleiner Schatz ist Meisterin in Langsam Essen und sie schafft es, alles 32 Mal zu kauen. Das führt zu längerer Sättigung. Sie hat noch nie Probleme mit Völlegefühl und ihrem Gewicht gehabt. Das gab mir Ansporn, denn wer ist nun hier das Vorbild? Ich habe nicht gleich die 80% geschafft, denn auch die Essgeschwindigkeit ist ein langer und mühseliger Lernprozess. Immer wieder habe ich mich ertappt, dann doch wieder schneller zu essen und zu schlingen, gerade wenn das Essen auch noch lecker ist. Es war nicht einfach, auf einer Kartoffel so lang rum zu kauen. Allein der Kiefer ist so gepolt, das man automatisch zum schnellen Runterschlucken neigt. Die längeren Kaubewegungen mussten wirklich wieder neu erlernt werden. Am Anfang war ich so konzentriert, dass ich sogar nachts durchgeschlafen habe. Da kann man mal sehen, wie trainingsintensiv und kräftezehrend richtig essen sein kann. Die Verdauung beginnt nämlich im Mund und nicht im Magen.

Gut zerkaut heißt auch gut verdaut und das ist nicht nur ein Spruch.

Der Magen hat weniger zu tun und der ganze Verdauungstrakt entspannt sich. Auch ein Stressfaktor, der durch wenige Kaubewegungen mehr reduziert wird. Und der positive Nebeneffekt ist weniger Essen und mehr Abnehmen. 

Nach den Kauübungen hab ich mich dann an die Mahlzeiten gewagt. Ich frühstücke nun auch täglich. Durch meinen nächtlichen Schlaf habe ich morgens sogar Hunger. Früher hat die nächtliche Schokolade mir ein Sättigungsgefühl gegeben, so dass ich nie einen Bissen runter gekriegt habe. Heut esse ich morgens Müsli, Joghurt und an den Wochenenden sogar Ei, Omelett und Dinkel-Brötchen. Mittags esse ich mittlerweile auch immer was. Nur am Vesper muss ich noch arbeiten. Da habe ich noch keine feste Größe für mich gefunden. Aber immerhin komme ich auf 3 regelmäßige meist gesunde Mahlzeiten. 

Ihr seht, mehrere Faktoren einfach nur zur gegebenen Zeit richtig an sein Essverhalten angepasst, erzielen mehr Wirkung als die krasse Diät und Reduktion aller Sünden gleichzeitig.

Ich persönlich bin einfach stressfreier und habe auch mehr Power für den Sport, denn die aktive Bewegung sorgt dann noch für meine bessere Erholung im Schlaf. 

In diesem Sinne wünsche Ich Euch allen nen Guten Hunger 😉 

 

Author

Write A Comment